Sechs Freunde über alle Berge

 

Sie haben es geschafft, die sechs Freude des Radclub „Höhenmeter“ aus Elbingen:

In sieben anstrengenden Etappen haben sie mit dem Mountainbike die Alpen überquert.

 

 

Mit dem Mountainbike unterwegs sind sie seit Jahren. Jeden Sonntag eine kleine Tour, mal 40 oder auch mal 70 Kilometer, in der Regel bei jedem Wind und Wetter. Die heimatlichen Pfade hier im Westerwald sind ausreichend erforscht und so wurden gelegentlich kleine Tages- und Mehrtagestouren ins Siegerland, in den Taunus oder in die Eifel durchgeführt. Eine Alpenüberquerung ist aber schon immer das Ziel der Vereinsmitglieder gewesen. Eine Woche lang Rad fahren, die steilsten Pfade hinauf und einmal lange Abfahrten auf schmalen Trails wieder hinab, dass sollte es einmal sein.

 

So beschlossen Johannes Arnst, Achim Jäger, Norbert Munsch, Klaus Nöller, Ansgar Otto und Jörg Wegner aus Elbingen diesen Traum zu verwirklichen. Kurzfristige Planungen hierzu scheiterten jedoch immer wieder an den unterschiedlichsten Verpflichtungen, so dass dann bereits vor drei Jahren das Jahr 2005 als das Jahr der Alpenüberquerung ausgewählt wurde.

 

Nach dieser ersten Entscheidung galt es sich zu informieren, wie man denn eine solche Tour bewältigt. Umfangreich wurde hier die aktuelle Literatur in Büchern und den einschlägigen Zeitschriften gewälzt. Das Votum war aber schnell eindeutig: es musste mit einem Reiseveranstalter sein, der das Gepäck von Station zu Station befördert und die Gruppe mit einem Guide führte. Schließlich musste bereits ohne das normale Reisegepäck genügend Material im Tagesrucksack mitgeführt werden.

 

Das Studium der verschiedenen Anbieter ließ dann auch wegen des ausgewählten Termins die Auswahl  schnell treffen und die Reisebuchung wurde kurz nach Weihnachten getätigt. Der Veranstaltername „go-crazy“ ließ hoffen, dass nicht nur Verrückte durch die Berge radeln und so wurde die klassische Mountainbike-Route von Garmisch-Partenkirchen zum Gardasee – knapp 500 Kilometer mit fast 11.000 Höhenmetern - gebucht!

 

Nun gab es kein Zurück mehr (nur für Notfälle wurde eine Reiserücktrittversicherung abgeschlossen) und das gemeinsame Training wurde intensiver – wusste man doch nicht, ob man den Strapazen der Alpen überhaupt gewachsen war. Der monatliche Stammtisch wurde nun nicht mehr zum allgemeinen Plaudern genutzt, sondern es wurden Trainingspläne besprochen und sich der Frage nach dem Material gewidmet. Was muss mit, wie viele Radshirts, muss eine wasserdichte Regenkombination mit, was ist in den Alpen besonders zu beachten, welcher Reifentyp hält den besonderen Belastungen in den Bergen auf Schotterwegen und engen Trails am besten Stand?

 

Am Samstag den 9. Juli  ging es dann endlich los. Mit einem Minibus wurden die Mitglieder des Radclubs in Elbingen vom Veranstalter abgeholt. Die perfekte Organisation aus dem Vorfeld bestätigte sich nun auch bei der Packleistung des Fahrers. Alle Räder und das Gepäck wurden verstaut und die Reise begann.

 

Nach der Übernachtung in Garmisch ging es dann am Sonntag auf zur ersten Etappe. War der Vorabend noch sonnig und warm, so zeigte der Sonntag doch auch, dass es andere Wettermöglichkeiten gibt. Es regnete in Strömen. Unseren Guide interessierte das wenig und natürlich würden wir unseren Tourbeginn nicht verschieben können, galt es doch noch 70 Kilometer mit 1500 Höhenmetern an diesem Tag zu bewältigen. Wir packten uns also in unsere wasserdichte Regenkleidung und starteten zur ersten Etappe.

 

Zwei Tage hielt sich dieses Regenwetter doch die Regenkleidung war nicht wirklich notwendig. Ob nass geschwitzt von innen oder vom Regen durchweicht spielte letztlich keine große Rolle. Wichtig war die trockene Ersatzkleidung, die zu den Pausen eine willkommene Aufwärmung lieferte. Dass die Stimmung großartig war, trotz des schlechten Wetters, mag zunächst verwundern. Die Tour am Eibsee und auf abwechslungsreichen Waldwegen an der Flanke der Zugspitze entlang nach Imst und am Folgetag mit überwältigenden Ausblicken auf das Inntal nach Pfunds entschädigte landschaftlich aber für jedes Wetter.

 

Spektakulär mit deutlich freundlicherem Wetter wurde dann der dritte Tag. Mit langem und teilweise sehr steilem Anstieg näherten wir uns an diesem Tag der Uina-Schlucht. Die Etappe war nicht wirklich lang, aber durch die doch oft extremen Steigungen bedingt, stellten wir schnell fest, dass das Schieben des Fahrrades oft schneller ging als das extrem anstrengende  Fahren mit der kleinsten Übersetzung. Die Schiebepassage durch die legendäre Uina-Schlucht, eine zur Seite offene Röhre in einer senkrechten Wand, war ein anstrengendes aber einzigartiges Erlebnis. Im Dreiländereck durchquerten wir an diesem Tage die Schweiz und passierten hoch in den Bergen auch noch die Grenze nach Italien.

 

Am Ende der Etappe nach rund 40 beschwerlichen Kilometern erreichten wir dann die Sesvenna-Hütte auf 2.256 Höhenmetern. Nach dem Duschen und einem warmen Apfelstrudel waren die Strapazen schnell wieder vergessen und der herrliche Ausblick auf die Ortler-Gebirgsgruppe erfreute die Tourteilnehmer bei besonders klarem Wetter.

 

Der nächste Tag sollte rasant starten. Es galt die Etappe bis hinter Meran ins Ultental bis zu meistern. Das besondere daran: die ersten 80 Kilometer der rund 116 Kilometer langen Etappe gingen zunächst steil und dann auf unterschiedlichen Wegen kontinuierlich durch das schöne Vinschgau bergab. Und so wunderte es denn nicht, dass wir bereits nach drei Stunden Meran hinter uns gelassen hatten und für die 30 verbleibenden Kilometer bis nach St. Walburg bergauf, den Rest des Tages einplanen mussten. Völlig geschafft erreichten wir am späten Nachmittag unser Hotel für die nächste Nacht.

 

Das ständige Aus- und Einpacken in den Unterkünften war mittlerweile zur Routine geworden und nur gelegentlich waren Dinge in den Taschen nicht mehr auffindbar. Zur allabendlichen Routine gehörte auch regelmäßig das Warten und Präparieren der Bikes für den kommenden Tag. Das Reinigen und Pflegen von Kette und Schaltwerk gehörte zur Pflicht, das aber auch mal ein Tretlager oder defekte Reifen gewechselt werden mussten ist bei der Materialbeanspruchung ebenfalls normal. Dass der freundschaftliche Kontakt zu unserem Radhändler Zweiradsport Ebener in Niederrossbach etwas Besonderes darstellt, zeigte sich auch an der telefonischen Tourbetreuung durch das dortige Werkstatt-Team. Tägliche Mails über die Etappen und den Materialzustand der Räder erfreuten nicht nur die Alpen-Crosser selbst, sondern auch die Mitarbeiter des Radhauses.

 

Etappe fünf führte uns auf unterschiedlichem Untergrund weiter Richtung Süden. Teils auf Schotterwegen und Teils über Trails mit kurzen Schiebe- und Tragepassagen führte uns unser panoramareicher Weg über viele Hochalmen und urige Hütten am Wegrand.

 

Unsere sechste Etappe war auch gleichzeitig die kürzeste. Dass nur 35 Kilometer unsere ganzen Kräfte erfordern würden machte uns bereits das Höhenprofil der Tagestour klar. Es ging immer in eine Richtung: bergauf, den ganzen Tag! Zunächst noch gemächlich durch das Vale di Sole in Richtung Madonna di Campiglio, dann aber steil hinauf zur Berghütte Rifugio Graffa mit einer Höhe von 2.300 Metern. Hier bezogen wir wieder Quartier und freuten uns riesig darüber, dass wir kurz vor dem einsetzenden Nachmittags-Gewitter die Hütte erreicht hatten und dem imposanten und beeindruckenden Wetterschauspiel am Fenster der Hütte zusehen durften.

 

Der siebte und letzte Tag startete mit einem anspruchsvollen Singletrail wieder Richtung Madonna di Campiglio, vorbei an einem einsamen Waldsee mit einer letzten fast einstündigen Trage- und Schiebepassage aus einem Talkessel heraus. Entlang eines Bergkammes und  unterhalb des bekannten Höhenwegs „12 Apostel“ verlief unsere Route weiter. Nach einer begeisternden Downhill-Passage trennte uns dann nur noch ein letzter Höhenzug vom Gardasee und dem lang ersehnten Gelati und Cappuccino am Hafen von Riva. Die Tour war geschafft, fast 500 Kilometer mit rund 11.000 Höhenmetern!

 

Der obligatorische Sprung der Tourteilnehmer in Radbekleidung in den Gardasee beendete das Abenteuer der Alpenüberquerung. Ohne nennenswerte Verletzungen und mit nur geringen Schäden am Material konnten alle Teilnehmer am Folgetag die Heimreise antreten. Für alle ein unvergesslicher Urlaub und trotz der Anstrengungen sicher etwas ganz besonderes Erlebnis im Leben eines normalen Mountainbike-Fahrers.

Ortsgemeinde Elbingen
Mitten im Westerwald
~ www.elbingen.de ~